Unsere Erfahrungen





Dear Jonny, dies ist ein Liebesbrief…

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Du hast viel mitgemacht und einige Blessuren bekommen. Wir lieben dich zu sehr, um dich sterben zu sehen und darum mussten wir dich in Phoenix gehenlassen. Nach 2,5 Monaten voller Glücksmomente und tausender, gemeinsamer Kilometer haben wir schmerzhaft Abschied genommen. Mit einem letzten traurigen Blick auf dein gealtertes Äußeres, auf deine Kratzer und Schrammen, wussten wir, dass es so am Besten für dich war.

Die ersten Wehwehchen waren noch kein Problem für dich. Doch der Verlust eines Metallteils zum Schutze deines Bauches setzte dir schon mehr zu. Es war wirklich nicht beabsichtigt dich zu verletzen, aber das Reifenteil auf der Autobahn kam unvorhergesehen und zu schnell, um diesem ausweichen zu können. Während du operiert wurdest, konnten wir wertvolle Kontakte zu einem mexikanischem und guatemaltekischem Automechaniker knüpfen. Vielen Dank für deine Selbstlosigkeit!

Gerade wieder fit, wolltest du auf Kuscheltour gehen. Das kleine, arme, blaue Auto hatte es dir wohl angetan. Doch du warst zu stürmisch und hast es mit deiner Liebe beinahe erdrückt. Wir waren nur froh, dass dir nichts passiert ist, aber da wir unseren Bekanntheitsgrad bei der Cruise America Hotline mittlerweile gesteigert haben, solltest du bei deinem nächsten Flirtversuch etwas vorsichtiger sein. Möglicherweise haben deine Lenker auch ein bisschen was damit zu tun,…

…aber musstest du uns gleich so mit deinem Gestank bestrafen? Nichtsdestotrotz denken wir, dass es nur gut gemeint war, denn da dein Gefrierfach abgetaut werden musste und nicht richtig funktionierte, bewahrtest du uns vor dem wochenlangen Karottenkonsum. Unsere frisch gekauften Erdbeeren und das restliche Kühlschrankgut hättest du allerdings verschonen können. Hätten wir bloß damals schon verstanden, wo der Schuh drückt. Erst bei der Rückgabe wurde uns von Cruise America mitgeteilt, dass der Kühlschrankkühler auf deinem Dach abhandengekommen ist. Bis heute ist es uns ein Rätsel, wo du diesen gelassen hast.

Du warst uns immer ein treuer Freund und zuverlässiger Begleiter. Wir wünschen dir eine kleine Erholungspause, genügend Ausdauer, um bis zur Rente durchzuhalten und weniger ambitionierte Reisende, die dir mehr Ruhe gönnen.

Für immer in Liebe,

Silke und Tanja 


Ironstone - nur die Harten kommen in den Garten

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Ironstone – Der Name ist Programm, denn die Flaschen des wunderschön gelegenen Weinguts in Mitten von Weinbergen und einer Parkanlage im idyllischen Murphys lassen sich ohne Flaschenöffner und auch nicht nach 5 Dosen Spinat öffnen. Zum Glück gibt es auf dem Weingut Angestellte, die das Öffnen der Flaschen übernehmen und einen sogar 4 Weinsorten gratis zum Testen anbieten; vorausgesetzt man kauft danach eine Flasche Wein.

Diesen Deal konnten wir natürlich nicht ausschlagen, da uns der Geschmack der verschiedenen Weinproben an sich schon überzeugte. Wenn ihr unseren Hochgenuss nachempfinden wollt, könnt ihr die Ironstone Weine selbst probieren. Diese sind nämlich mittlerweile auch in Österreich und Deutschland in den Regalen der Supermärkte zu finden.

Da Tanja bereits die Strategie verfolgt, sich den reichen Weingut-Erben zu angeln, wird die kontinuierliche Nachversorgung hoffentlich bald sichergestellt sein. 😊


Silkanja = Mormonen 2nd Edition

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Erfolgsrezept für eine neue Sekte: Behaupte ein von Gott entsandtes Buch durch einen Engel erhalten zu haben, übersetze die unbekannte Schrift durch die Macht Gottes in eine verständliche Sprache, lass die Existenz des Buches von Freunden bezeugen und sende es anschließend wieder in den Himmel zurück. Alles was man dann noch braucht, ist eine überzeugende Marketingstrategie und verzweifelte Menschen, die an diese neue, christliche Orientierung glauben.

Klingt eigentlich nicht so schwer, darum macht euch gefasst: Die neue Religionsströmung Silkanja kommt bald!

Im Gegensatz zum Mormonentum wird man bei uns aber noch Alkohol und Kaffee trinken können und Gleichberechtigung wird großgeschrieben. Wir stehen für flache Hierarchien (zumindest zwischen den uns Untergebenen 😊) und der Austragungsort der allwöchentlichen Glaubenszelebrierung ist flexibel – Rooftopbars, Hot Tubs oder Cafés sind durchaus denkbar.

Übernehmen werden wir gerne die Wichtigkeit der Familie, die Verbreitung unseres Glaubens durch Missionare und die Möglichkeit der Religion durch Visionen von Propheten (oder in unserem Fall Mitglieder der Gemeinschaft) neue Richtungen zu geben.

Nachdem ihr jetzt wahrscheinlich schon alle Silkanjas seid, möchten wir euch offenbaren, wie wir zu dieser genialen Idee inspiriert wurden:  Als wir Salt Lake City, dem Headquarter der Mormonen, einen Besuch abstatteten, und die adrett gekleideten, jungen Anhänger mit ihren Büchern unterm Arm gesehen haben, fühlten wir uns in eine andere Zeit versetzt. Der zweifelhaften Entstehungsgeschichte steht eine gut funktionierende und scheinbar harmonische Gemeinschaft gegenüber. Und nein, mit Gemeinschaft meinen wir nicht die Polygamie, denn das weit verbreitete Gerücht ist nur bei den fundamentalistischen Gruppierungen Realität.

Good News an alle Silkanjas: Bei uns dürft ihr sein, wie ihr seid –> Silkanja, Be as you are – BAYA (YOLO kann einpacken)


Oh Schreck, das Rad muss weg

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Nach dem ganzen Wandern und Gehen konnten wir es gar nicht erwarten, uns endlich auf ein Rad zu schwingen und traten deshalb wie wild in die Pedale. Im Skigebiet und Golf-Hotspot der Schönen und Reichen war das genau die richtige Entscheidung, da wir so jeden Winkel der Resorts, von Ketchum und dem Elkhorn Loop, aus nächster Nähe erkunden konnten. Schließlich in Fahrt gekommen, war es leider auch schon wieder Zeit, die Räder zurückzubringen und Dank unseres noch immer nicht perfektionierten Zeitmanagements, mussten wir so richtig Gas geben. Den Turbo einmal eingelegt, fiel uns erst am Ende des Radwegs auf, dass wir den Ort schon passiert hatten. Voller Panik legten wir in Windeseile die Extrakilometer zurück und erreichten in den letzten Minuten den Radverleih in Ketchum. Schlecht für unsere Nerven, gut für unsere Muskeln und Ausdauer. 


Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen

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Das Plätschern von Regentropfen auf Jonnys Dach ließ nichts Gutes erahnen. Nichtsdestotrotz brachen wir früh, für Tanja quasi mitten in der Nacht, auf, um die gebuchte Tour im Antelope Canyon zu machen. Als wir uns dem Parkplatz näherten, sahen wir bereits einige Autos in der knappen Einfahrt wenden. Weil wir durch viel Praxiserfahrung gelernt haben, dass enge Passagen für Jonny zum Hindernis werden, hielten wir am Straßenrand an, um die Situation von dort zu klären. Die Verantwortliche (Biatch) schrie uns aber nur an, den Weg zu räumen.

Und so wurde unser Frust über die ausgefallene Tour, das sinnlos frühe Aufstehen, die Inkompetenz der Organisation, die uns keine E-Mail über das Ausfallen geschickt hatte, noch größer. Besonders schlimm war es für uns durch die Tatsache, dass wir den Ausflug schon hätten am Vortag machen können, aber aufgrund der naiven Annahme, dass es in der Wüste nicht regnen wird, vertagt haben.

Fazit also: Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.


Phoenix, entsteige deiner Asche

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Immer noch ganz traurig von dem schmerzhaften Abschied von Jonny, wollten wir uns Ablenkung verschaffen und Phoenix unsicher machen. Doch schon im Hostel angekommen, überfiel uns die allgemeine Phoenix Trägheitsstimmung. Ausgelaugt lagen wir im Garten, erkundigten uns aber dennoch nach Stadtaktivitäten. Allgemeiner Konsens bestand in der Antwort, dass Phoenix nichts zu bieten habe und so konnten wir uns wieder beruhigt auf unserer Liege zurücklegen.

Am nächsten Tag starteten wir einen neuen Versuch, schlenderten die Straßen auf und ab und stellten fest: „Es gibt quasi wirklich nichts“.

Am dritten Tag probierten wir es gleich gar nicht und blieben in unserem neuen Hostel-Zuhause; einzig der knurrende Magen trieb uns kurz vor die Tür.

Am vierten Tage verließen wir mit dem Flixbus (ja, den gibt es jetzt auch in den USA) Phoenix und waren gerade zu froh, dass die Trägheitsphase ihr Ende nahm. Und je weiter wir uns aus der Stadt entfernten, desto energiegeladener wurden wir.

Fazit: Phoenix war als Entspannungsort gut geeignet, wer aber viel sehen oder etwas erleben möchte, sollte sich eine andere Stadt aussuchen.


Vom Angstobjekt zum Dauerbrenner

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Mit der Grenzüberschreitung von Kanada in die USA dachten wir, das Bärenthema nun abschließen und eine Wanderung endlich mal genießen zu können, ohne hinter jedem Baum ein gefährliches Tier zu vermuten.

Doch das wäre zu schön, um wahr zu sein: In unserem ersten Nationalpark in den USA, dem Glacier Nationalpark, konnten wir schon vom Parkplatz aus Grizzlys sichten, was uns zu einem panikerfüllten Spontankauf eines überteuerten Bärensprays animierte. Im Yosemite Nationalpark musste man sogar sein Essen aus dem Auto in vorgesehenen Bärenboxen geben, da die ausgefuchsten Bären angeblich in Autos einbrechen können und die Nahrungsmittel stehlen.

Das gekaufte Spray gab zwar anfangs ein sicheres Gefühl, aber nach umfangreichem Studium der Bedienungsanleitung stellte sich heraus, dass das Pfefferspray nur für 7 Sekunden reicht, die Windrichtung und die Distanz zum Bär ausschlaggebend sind und es selbst bei richtiger Ausführung keine Garantie gibt, den Bären damit in die Flucht zu schlagen.

Minder beruhigt sind wir also losgewandert, passierten einige aufgrund von Bärensichtungen gesperrte Zonen und trafen bald auf Wanderer, die kurz zuvor einem Grizzlybären begegnet sind. Um solch einem Zusammenstoßen zu entgehen, perfektionierten wir unseren lautstarken Indianerruf und das dazugehörige Klatschen. Mit unseren 3 auswendiggelernten Liedern füllen wir mittlerweile problemlos 5-stündige Wanderungen und bieten so nicht nur uns, sondern auch anderen Schutz; wir wurden sogar von einigen darum gebeten, in ihrer Nähe zu bleiben, was sicher auch unseren Engelsstimmen zu verdanken ist. 😉

@Steffi, Anna & Jimmy: Obwohl es in Guatemala keine Bären mehr gibt, könnt ihr euch schon mal freuen, denn wir werden euch verwöhnen und euch bei jeder Wanderung ein Privatkonzert geben.


Leute von heute

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In Provo wich die Bärenangst der Angst vor alten, dementen Personen, als wir am frühen Morgen aufgewacht sind und ein außer Kontrolle geratenes, riesiges Wohnmobil für einen Schreckmoment sorgte. Ein älterer Herr, Dennis, saß am Steuer, zerlegte Blumentöpfe und war kurz davor den sich am Eingang des Campingplatzes befindlichen Brunnen rückwärts niederzufahren, wenn wir ihn nicht mit lauten Rufen gestoppt hätten. Mit vereinten Kräften navigierten wir ihn ohne weitere, größere Schäden zu verursachen zu seinem Stellplatz. 

Voller Freude über unsere Hilfeleistung, lud Dennis uns zu einem echt texanischen Abendessen ein. Obwohl wir seinen Fahrstil nun kannten und sein „commercialized“ Auto, wie er es nannte, nichts Gutes erahnen lies, konnten wir das Angebot nicht abschlagen und begleiteten ihn nach Salt Lake City. Während der Fahrt zum Restaurant offenbarte sich schnell, dass Dennis etwas verwirrt und sein Nachtsehvermögen eingeschränkt war, sodass er kaum seine Spur halten konnte.

Heilfroh wieder am Campingplatz angelangt zu sein, sollten wir noch in den Genuss kommen, direkt vor Jonny abgeliefert zu werden. Nachdem Dennis uns abgesetzt hatte, fand er leider sein 5 Meter entferntes Wohnmobil nicht mehr, denn er verließ den Campingplatz mit dem Auto wieder. Gott sei Dank kehrte er einige Minuten später zurück, sodass wir ihn einweisen konnten (in den Parkplatz wohlgemerkt). Da wir nun über Dennis‘ Fahrstil Bescheid wussten, verfolgte uns ein möglicher, nächtlicher Aufbruch noch in unsere Träumen.

Apropos Träume, wir dachten, wir träumen, als wir in einer weiteren, außergewöhnlichen Begegnung auf einen Superstar trafen, Linda C.. Ganz unscheinbar arbeitete sie als Freiwillige im Hostel in Phoenix und fiel eigentlich nur durch ihr besonnenes Wesen auf. Wer konnte da ahnen, dass sie in mehreren Horrorfilmen, wie Crampus Unleashed, Gruselgestalten annahm.

Gruselig ist auch, dass sich selbst unter unseren eigentlich so weltoffenen und toleranten Bekanntschaften viele Trump Wähler befanden. Seine Politik und seine undiplomatische Handlungsweise kam bei den Unterstützern gut an und sie argumentierten ihre Position mit einem scheinbar deutlichen, wirtschaftlichen Aufschwung und dem Fokus auf die nationalen Bedürfnisse, für die sich Trump während seiner Regierungszeit einsetze.

Alles in allem, konnten wir sehr interessante Persönlichkeiten kennenlernen und freuen uns immer über neue Weltansichten, auch wenn wir diese nicht teilen.


Park dich reich und frei!

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Um, nur noch im Zweierpack unterwegs, Geld zu sparen und der Natur ganz Nahe zu sein, verzichteten wir mehr und mehr auf den Luxus der gesicherten Campingplätze (O-Ton: „Ich zahl ja nicht für ein Fleckchen Erde“) und suchten das nächtliche Abenteuer an Straßenrändern, in Parkanlagen, auf einfachen Parkplätzen und am Strand.

Obwohl wir unser Haus immer dabeihatten, war es teilweise gar nicht so leicht, ein passendes Nachtlager aufzuschlagen:

Im Grand Teton Nationalpark beispielweise wählten wir den Parkplatz vor dem Visitor Center, bedachten dabei aber nicht die gruseligen Tierlaute in der Nacht und die frühmorgendlichen Müllabfuhrarbeiten.

Die Geräuschkulisse in der Natur war aber gar nichts im Vergleich zum nicht zuordenbaren, vor unserem Fenster umherstreifenden Schatten, den Silke in Salt Lake City auf dem Parkplatz eines Teppichgeschäfts sah. Während sich Tanja in der Nacht noch auf eine unbegründete Panikattacke von Silke berief, stellte sich am nächsten Tag heraus, dass wir offensichtlich im Wohnzimmer eines Obdachlosen geparkt hatten, der sich halbnackt vor unserem Wohnmobil präsentierte. Dankend lehnten wir eine weitere Nacht in seinem „Heim“ ab.

Um nicht wieder Gefahr zu laufen, unwissentlich in einen Obdachlosensitz einzudringen, suchten wir in San Francisco sorgfältig Parkanlagen und Strände ab. Kleiner Tipp: Im Golden Gate Park nächtigt es sich wirklich gut. Zu beachten ist aber, dass der Park sonntags autofrei wird und die Straßen abgesperrt werden, um den Sportbegeisterten ein entspanntes Laufvergnügen zu bieten. Für uns hieß das: Absperrungen zur Seite schieben und Jonny durchquetschen.

Der Strand, den wir uns als nächste Destination mit seichtem Wellenrauschen unter freiem Sternenhimmel so idyllisch ausgemalt hatten, entpuppte sich als Partymekka. Extra früh ins Bett gelegt, um fit für Alcatraz zu sein, wurden wir nachts unsachte aus dem Schlaf gerissen und fanden uns in Mitten einer Rave Party wieder.

All diese Erfahrungen reicher, war es im Yosemite Nationalpark schließlich schon ein Kinderspiel einen geeigneten Schlafplatz zu finden. Bergkulisse, blühende Wiesen und ruhige Nachbarschaft bewiesen, dass wir mittlerweile ein Auge für das beste, kostenlose Nachtquartier entwickelt haben.

Fazit: Vorausgesetzt, dass keine Strafzettel mehr eintrudeln, war das Ganze nicht nur abwechslungsreicher, sondern auch kostengünstiger.