Skurriles




Kein Schritt zu viel

Gemütliches Flanieren in einer Fußgängerzone war gestern, denn als wir in Salt Lake City nach einer fragten, wurden wir nur müde belächelt. Für Europäer unvorstellbar; aber in amerikanischen Großstädten gibt es kein wirkliches Stadtzentrum, sondern unterschiedliche Viertel, die zu Fuß nur schwer zu erreichen sind. Das liegt nicht ausschließlich an den Distanzen zwischen den Gebieten, sondern auch an den unschönen und viel befahrenen Strecken, die man überwinden müsste. Vor allem nachts trägt das lampenlose Ambiente nicht gerade dazu bei seine Sparziergänge auszuweiten. Die Amerikaner wissen sich aber zu helfen und haben deshalb das Shared Elektroscootersystem weitläufig etabliert. Einziger Haken für Touristen ohne mobilen Internetzugang ist, dass das Ausleihen und Abstellen nur an öffentlichen WIFI Hotspots möglich ist; was uns schon öfters zum Verhängnis geworden ist und uns Extraminuten kostete.

An sich ist die Idee aber gut und wenn jemand von euch in das Scooter-Sharing Business für Europa einsteigen möchte, stehen wir euch mit unseren tiefgreifenden Erfahrungen zur Seite.

Trotzdem hoffen wir nicht, dass die Europäer so faul werden wie die Menschen hier und keinen Schritt mehr zu Fuß zurücklegen. Selbst auf Campinplätzen benutzen die Angestellten für 50 Meter ein Golfcar.

Kein Alkohol ist auch keine Lösung

Das Alkoholverbot ist in den USA sehr streng geregelt. Es gibt beispielsweise separate Restaurantzonen, die nur von über 21-jährigen betreten werden dürfen und beim Alkoholeinkauf werden nicht nur der Zahlende, sondern alle Shoppingbegleiter kontrolliert. Wie sich da eine Mutter in Anwesenheit ihres minderjährigen Kindes ein Fläschchen Wein gönnen kann, ist fraglich….

Fest steht allerdings, dass es geradezu beleidigen ist, wenn kein Nachweis mehr verlangt wird, da alle, die aussehen als wären sie jünger als 35 nach ihrem Ausweis gefragt werden müssen. Eigentlich sollte uns dies mit unserem knackigen Alter nur am Rande tangieren, aber anscheinend sind wir in den 1,5 Monaten, die wir jetzt unterwegs sind, schon ziemlich gealtert, denn wir müssen immer seltener unseren Altersbeleg vorlegen.

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Wenn du glaubst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Walmart her

Die Supermarktkette Walmart ist ein wahrer Retter in der Not für alle gestrandeten Wohnmobile. Auch wir haben des Öfteren auf den riesen Parkplätzen gratis genächtigt und alle Annehmlichkeiten in Anspruch genommen: Ein oftmals sauberes Klo, frei zugängliches WLAN, meist Gesellschaft von Gleichgesinnten und theoretisch auch Steckdosen. Diese wurden in manchen Walmarts aber mit Argusaugen bewacht und so kam es dazu, dass wir beim Stromabzapfen mit Begründungen, wie „That’s the law“ und in Begleitung von Securities vor die Tür gesetzt wurden. Neben dem Diebstahl von Strom, ist auch die Mitnahme von Einkaufswägen strengstens untersagt. Versucht man dennoch, den Wagen vom Parkplatz über eine imaginäre Grenze zu schieben, findet man sich in einer unangenehmen Situation wieder, da die Reifen blockiert werden und man den Einkaufswagen so weder vor noch zurückschieben kann. In unserem Fall trugen wir zur allgemeinen Erheiterung bei und versperrten den Autos die Parkplatzzufahrt.

Kleine Anmerkung: Wir wollten das Sicherheitssystem natürlich nur prüfen und den Wagen niemals stehlen.

Walmart ist aber nicht gleich Walmart, denn die Overnight-Parking-Erlaubnis ist filialenabhängig. Die App, die anzeigt, welche Geschäftsstellen das Parken zulassen, ist scheinbar nicht ganz auf dem neuesten Stand und somit landeten wir anstatt auf einem Walmart-Parkplatz vor einem Hoteleingang. Selbst um 2:00 in der Früh, als wir nach langer Fahrt endlich erschöpft auf dem ersehnten Parkplatz ankamen, machten sich die unterschiedlichen Bestimmungen bemerkbar. Gerade beim Zuziehen der Vorhänge und quasi bettfertig, wurden wir noch von einem Security belehrt und hinter das Gebäude zum Liefereingang eskortiert.

All das nimmt man gerne auf sich, wenn man Teil der Walmart Community sein kann. Sollten wir wider Erwarten keine berühmten Blogging-Stars werden, schaffen wir es vielleicht durch unsere exzessiven Produkttests und ausschweifenden Einkäufe wenigstens auf die „People at Walmart“ Homepage.

Zur falschen Zeit am falschen Ort?

Und wir dachten, dass wir in Deutschland und Österreich früh zu Abendessen, aber in den USA beendet man den Tag in kulinarischer Hinsicht anscheinend noch früher. Ein gut besuchtes Restaurant schließt sogar an einem Freitagabend um 21.00 Uhr seine Pforten.  Auch wenn einem am Nachmittag der Hunger überkommt, steht man häufig vor versperrter Restauranttür. Zum Glück gibt es aber noch die Getränke-Happy-Hour und somit kann man das fehlende Essen mit günstigem Bier kompensieren. Die Essenskultur wird generell nicht ausgiebig zelebriert, da Schnelligkeit Priorität hat. Das bezieht sich nicht nur auf die bekannte Fastfoodzubereitung, sondern auf den ganzen Essensprozess: Kaum hat man sein Essen verspeist und möchte noch gemütlich auf seinem Platz verweilen, flattert schon die Rechnung herbei.

Mehr ist mehr oder weniger ist mehr?

Style Update Salt Lake City, September 2018: Der Schlapfen-Socken Look findet weiter Verbreitung. Zu beachten ist aber, dass in der coolen Hip Hop Gangster Szene die dicken Tennissocken bis zu den Knien hochgezogen werden und die Birkenstock den Badeschlappen weichen müssen. Da Tanja am Urban Art Festival in Salt Lake City aber leider nicht mit dieser Kombination aufwarten konnte, wurde sie nicht als neues Mitglied der Gang anerkannt und reist noch immer mit Silke weiter.

Auch in San Francisco konnten wir nicht mit dem aktuellen Trend mithalten, da wir einen String Tanger als Teil der Unterwäsche betrachten und nicht als Hose an sich. Während wir Netzstrumpfhosen für Faschingsaccessoires hielten, waren sie in der Metropole ein Must-Have für jede Rave Party. Getreu dem Motto „weniger ist mehr“, reichten die Ausschnitte bis zum Bauchnabel und falls ein Rock zum Einsatz kam, bedeckte dieser nur die halbe Pobacke.

Variety statt Chippendales

Da sich weder Vera mit einer Bourlesque Show, noch Tanja mit den Chippendales durchsetzen konnte, landeten wir letztendlich in der ultimativen V Variety Show und erwarteten atemberaubende Akrobatik, Comedy und magische Überraschungen.

Das Erstaunen über Special Effects und akrobatische Höchstleistungen hielt sich in Grenzen, für eine Überraschung sorgte aber das Publikum selbst, denn es stahl den Kleinkünstlern oftmals die Show. Besonders der junge Mann vor uns verhalf uns durch seine Kommentierung ungewollt zu einigen Lachausbrüchen.

Nichtsdestotrotz hält der Name der Show, durch das vielfältige Programm, was er verspricht. Und lässt man sich erst mal auf den amerikanischen Humor ein, was mit ein paar Bierchen sicher leichter fällt, hat man eine unterhaltsame Zeit.

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Friede, Freude, Grenzzaun?

Wenn wir an Hippies denken, dann tauchen Schlagwörter wie Friede, Freie Liebe und Flower Power in unserem Bewusstsein auf. Diese Assoziationen haben sich in der Haightstreet in San Francisco bestätigt, wo wir auf friedliche, zugedröhnte und buntgekleidete Menschen trafen. Beeindruckt von diesem Lebensstil und um selbst den inneren Frieden zu finden, haben wir, – nein, keine Drogen,- sondern 2 Bücher von einem buddhistischen Mönch über diverse Meditationspraktiken erstanden. Eigentlich dachten wir, dass die Bücher gratis seien, aber dann forderte der Mönch eine überteuerte Spende, die wir an unser Karma denkend nicht ausschlagen konnten.

In San Diego brachte dann auch noch ein alteingesessener Hippie unser Weltbild ins Schwanken. Anfangs schien der alte Hippie weltoffen und zufrieden, doch ein längeres, interessantes Gespräch offenbarte seine gegensätzliche Einstellung: statt internationaler Gemeinschaft hielt er Landesgrenzen und Abschottung für eine essentielle Lebensstrategie und prognostizierte den Untergang Europas aufgrund fehlender Grenzen. Wir wollen das hier nicht generalisieren und wären an weiteren Kontakten innerhalb der Hippieszene interessiert.

Gimme, gimme, gimme more

Die Phase „zur falschen Zeit am falschen Ort“ ist nun definitiv vorbei, denn in San Diego waren wir am Freitagabend am ultimativen Place to be, die Open Bar am Pacific Beach. Diese war gerammelt voll; neben Tanzwütigen tummelten sich dort Aufreißer und -innen jeden Alters. Als präferierte Annährungsmethode wird der „Arsch-auf-Schwanz“ Tanz praktiziert, welchen man sich folgendermaßen vorstellen kann: Auf romantisches Anschmiegen face-to-face wird verzichtet; vielmehr versuchen die Frauen mit ihrer provokativen nach vorne gebeugten Haltung und laszivem Hüftschwung den hinter sich tanzenden Mann zu verführen. Wenn dieser Presexcheck positiv absolviert wird, dann… 😉  Da diese Bewegung jahrelange Übung erfordert, agierten wir erstmal als stille Beobachter.

„Fuchs, du hast die Gans gestohlen -Gib sie wieder her! ...

… Gib sie wieder her, sonst wird dich die Alte holen mit dem Schießgewehr.“

Von einem unschuldigen Bauernlied zu einer realen Drohung der Glampersociety. Füchse nehmt euch in Acht, denn euer täglich Brot ist nicht mehr freilaufend, unbeobachtet und in Scharen auf Feldern vorzufinden, sondern mutiert zum wohlbehüteten Haustier. Neben Hund und Katz ist bei Campingausflügen nun auch der neue Kuschelpartner, eine Gans, mit von der Partie. Während für uns noch unentdeckt, sind ihre Vorteile für die Amerikaner bereits offensichtlich: weiches Gefieder; fungieren als Beschützer des Wohnmobiles; Kommunikationspartner (wäre für Tanja ein Anreiz gänsisch zu lernen) und Nahrungsmittel für Notfälle – die stolze Gansbesitzerin würde diesem Punkt wohl nicht zustimmen.

1= 3,87 bzw. 4,1 oder (-30):2

Versteht ihr nicht? Gut, wir nämlich auch nicht…. Die Maßeinheiten in den USA verlangen Verständnis höherer Mathematik. Wie viele Liter eine Gallone tatsächlich ist, haben wir bis heute nicht rausgefunden. Dem von Silke geschenkten, schlauen Reisebuch zufolge umfasst eine Gallone 3,87 Liter, während Google und unsere Amibekanntschaften behaupten, dass sie sogar 4,1 Litern entspricht.

60° Hitzeschlag?! Nein! Pack lieber deinen Pulli ein, denn 60° Fahrenheit sind gerade einmal 15° Celsius.

Als wir dachten, zumindest die Längeneinheiten im Griff zu haben (1 Meile = 1,6Km), wurden wir wieder einmal eines Besseren belehrt: 

  1. Laut Warnhinweisen mussten wir 100 Yard Abstand zu Bär und Puma halten.
  2. Unsere Größe sollten wir in Inch angeben.
  3. Bei Wanderungen standen wir vor der Herausforderung Feet in Höhenmeter umzurechnen.

Was sich die Engländer dabei nur gedacht haben?