Skurriles




Darf ich bitten?

Um unsere „Arsch auf Schwanz“ – Studie weiterzuführen (siehe Skurriles – USA), stylten wir uns einmal wieder richtig auf, um den Dancefloor auch in Baja California zu rocken.

Entgegen unserer Erwartungen eines noch aufreizenderen Tanzverhaltens der Mexikaner, fanden wir ein eher konservatives hin und her Geschaukle vor. Da der Raggaeton Rhythmus unser europäisches Blut aber mächtig ins Wallen brachte, mussten wir die Menge natürlich aufwühlen, zogen die Aufmerksamkeit auf uns und wurden so schnell zum Mutprobenobjekt. Nach einer kurzen, sehr auffälligen Absprache mit ihren Kompagnons trauten sich die jungen Herren teilweise in unsere Nähe, sprachen oder tanzten uns an und verschwanden dann stolz in den Kreis ihrer Freunde zurück, wo sie mit einem tosenden Applaus für ihren Mut in Empfang genommen wurden. 

Worin die große Herausforderung bestand, ist uns unklar, aber dass unsere Tanzeinlage für Aufsehen sorgt, bestätigte sich bereits bei einem Tanzversuch in der ältesten Bar Mexikos. Als Tanja dort das Tanzbein schwang, erfreute sie mexikanische Charmeure so, dass sie sich kaum noch von deren gemachten Avancen retten konnte. Aufgrund ihrer fehlenden Spanischkenntnisse und der resultierenden dezenten Kommunikationsschwierigkeiten ist sie aber immer noch Single 😊 (Das ist kein versteckter Aufruf!).

Der mobile Supermarkt

In Mexiko geht man nicht zum Supermarkt, der Supermarkt kommt zu dir. Selbst als Tanja im Hostel blieb, um fokussiert an ihrem Essay zu arbeiten, während Silke mit unseren neu gewonnen Freunden die Isla Holbox unsicher machte, wurde sie von einem Mayaverkäufer angesprochen. Dieser animierte sie mit dem Versprechen von super schöner Haut durch die Honigcreme von Mayabienen und der heilenden Wirkung von Propolishustensaft zum Kauf. Und auch eine Österreicherin mit sagenhaft reiner Haut bestätige die positive Wirkung. – (Ob die Wunderheilwirkung funktioniert hat, könnt ihr dann selbst beurteilen).

Dem Kaufrausch kann man aber nicht nur im Hostel verfallen, sondern auch in den U-Bahnen der Großstädte. Das Angebot der schreienden Verkäufer reicht von Kaugummis über Ladekabel bis zu Büchern. Für alle Kunden ist etwas dabei, da die Preise für jeden Geldbeutel erschwinglich sind.

Damit sich die Frauen beim Einkaufen sicher fühlen können, gibt es sogar eigene Zonen in den U-Bahnstationen, die nur von Frauen und Kindern betreten werden dürfen.

So dient eine U-Bahnfahrt nicht nur zum Transport, sondern kann auch als Ersatz für Einkaufszentren genutzt werden.

Über die Gemeinsam- keiten von heißem Hund, Auge und Darm

Wer denkt, dass das mexikanische Herz für Burritos und Tacos schlägt, hat sich gewaltig geirrt, denn das eigentliche Nationalgericht ist der vermeintlich amerikanische Hotdog, für den man an beliebten Straßenständen sogar Schlange stehen muss.

Während dieser Geheimtipp ein Gaumenschmaus war, konnte uns Obst mit Chillisoße nicht überzeugen. Auch die Käse-Nutella-Kombi in Marquesitas gehört nicht zu unseren Favoriten und erinnert eher an Schwangerschaftsgelüste (was wir nicht sind und weshalb es uns nicht mundete).

Damit Tacos doch nicht zu kurz kommen, suchten wir eine traditionelle Tacería in Mexiko Stadt auf. Wortgewandt fragten wir uns durch die spanische Karte, welche in der direkten Übersetzung mit Hilfe unseres Wörterbuches und Silkes umfangreichen Vokabulars nur Begriffe wie Hirte und Zunge lieferte. Auch die Gestiken des Kellners auf Nase, Ohr und Auge führten zu keiner Entwirrung, sodass wir sicherheitshalber einen „normalen Bauch“ der Kuh bestellten. Als wir den Teller erblickten, war von normal keine Rede mehr, denn auf dem Teller befand sich ein Maisfladen mit ekligen, glibbrigen Darm- oder Magenstücken (wir wissen es immer noch nicht). Während Silke sich fast übergab, aß Tanja unter den Augen der amüsierten Kellnerschar tapfer einen Bissen nach dem anderen, gab aber beim dritten dann doch auch auf.

Ab jetzt ging die Reise meist vegetarisch weiter und Silke wurde von Tanja zum intensiverem Spanischlernen verdonnert. Solch ein Fauxpas sollte niemals wieder passieren.

Wo ist die Kokosnuss?

„ Wo ist die Kokosnuss? Wer hat die Kokosnuss geklaut?“, die ganze Affenbande brüllt…

War also eine fehlende Kokosnuss der Grund für das nächtliche Geschreie der Affen in Palenque oder handelte es sich doch um lautstarkes Geschnarche, dem wir durch die dünnen Wände bestehend aus Moskitonetzen in unseren Cabanas im Dschungel ausgeliefert waren?!

Da wir die Störenfriede persönlich aufsuchen wollten, machten wir uns im Gebiet El Panchan auf die Suche nach ihnen; leider erfolglos und so trösteten wir uns mit einem guten Essen in einem Restaurant. Gerade am Schlemmen, ertönte erneut ein Gejaule, aber diesmal kam es nicht aus dem Urwald, sondern aus den Lautsprechern der Stereoanlage. Modern Talking hat es sogar bis nach Palenque geschafft, sorgte für einen Ohrwurm, lies uns aber dann doch das Affengebrüll herbeiwünschen.

Hund ist nicht gleich Hund

Unsere einstudierten Lieder gegen Bärenbegegnungen fanden in Mexiko keine Verwendung mehr, denn unser neues Angstobjekt, der Hund, schreckt davor nicht zurück. Im Gegenteil, die hinter Zäunen eingesperrten Hunde wurden regelrecht aggressiv, als sie unsere Laute beim Passieren der Häuser vernahmen. Tanjas Hundephobie ließ keinen anderen Ausweg, als sich der Gefahrenzone zu entziehen und auf die Straßenmitte auszuweichen. Haken dieser Strategie waren aber Autos, die die Straße komischerweise ebenfalls benutzen wollten…

Hund ist aber nicht gleich Hund, denn die meisten der sich vor dem Zaun befindlichen Vierbeiner waren freundlich und mutierten zum treuen Begleiter, auch wenn dieser Service nicht erwünscht war. Jegliche Abhängversuche scheiterten aber, wie beispielsweise in Belize, als Silke einen Einheimischen mit Hund im Schlepptau mehrfach umrundete, um das Anhängsel wieder los zu werden. Sympathischer waren da schon die Hunde, die sich auf den Erdstraßen eine Mulde als Bettchen gegraben hatten, um sich dort friedlich zur Ruhe zu legen, selbst wenn man hupend mit dem Auto vor ihnen stand.

Diese Faulheit lässt eine nicht nur namentliche Verwandtschaft mit den Seehunden vermuten, die größtenteils regungslos auf den Felsen vor der Isla Coronado lagen und nur teilweise mit uns im Wasser plantschten. Geruchstechnisch sind die Tiere zwar eine Zumutung, aber als Schwimmpartner phänomenal und so kamen wir ihnen beim Tauchen doch gerne näher.

20181130_213552
Unter den Toten

Der Tod lauert überall und in Mexiko hat er sogar einen Namen: Catrina, die junge Verstorbene mit aufgemaltem Totenschädel im Gesicht und edlen Kleidern symbolisiert den Tag der Toten. Dieser ist das Pendant zu Allerheiligen, wird in Mexiko aber stimmungsvoll und bunt mit Umzügen, Konzerten, Tanzeinlagen und Shows gefeiert.

In den Häusern werden besondere Altare hergerichtet, um den Toten zu huldigen und sie mit ihren Lieblingsleckereien zum gemeinsamen Abendessen in die Gegenwart einzuladen. Zu den Feierlichkeiten werden auch die Marktplätze pompös geschmückt und zur Ehrung der Verstorbenen verkleiden sich die Menschen als Gruselgestalten. Das Highlight der Veranstaltung ist die Modenschau der Nachahmer von Catrina in allen Altersgruppen, bei der eine Jury über Triumph oder Niederlage entscheidet. Die Titelanwärter dürfen den ganzen Tag kein Wort mit den Gästen wechseln, um eine Beeinflussung auszuschließen.

Während das Essenangebot von Tamales bis Churros reicht, hinkt das Alkoholangebot hinterher, was der Stimmung aber keinen Abbruch tut.

20181103_144927
Zu klein?
Zu wenig?
Zu schlecht?

Das verträumte Städtchen am Meer, Mahahual, mit einem langen Sandstrand, einladenden Restaurants und von großen Touristenscharren noch unentdeckt, hielt einige unerwartete Hürden für uns parat. Um unsere Unterkunft zu finden, mussten wir erstmal den allwissenden El Capitan ausfindig machen, zu dem wir durch das Erfragen des Weges geleitet wurden. So schafften wir es nach einiger Zeit, obwohl Google Maps versagte, doch noch zu unserem ersehnten Heim.

Beim Anblick des zu kleinen Bettes und der wasserlosen Dusche, geriet Julias Entzücken aber ins Stocken. Da das AirBnB auch nicht mit einem funktionierendem WiFi aufwarten konnte, wurden wir von der Besitzerin auf das Nachbarhotel verwiesen, von dem wir durch den Konsum eines Abendessens Internet abzapfen konnten. Die extra für diesen Zweck georderte Pizza mundete Julia allerdings auch nicht und so mussten wir mangels Trinkgeld das Hotel fortan in Kognito passieren.

Neben der Unzufriedenheit Julias war unser Gemütszustand auch nicht der beste, da wir nach einem ganzen Drehtag feststellen mussten, dass unsere Talentschwerpunkte trotz durchdachter Vorbereitung nicht im Vlogging liegen. Im Glauben, dass der perfekte Drehort bereits gefunden und das Drehbuch schon perfektioniert war, wurden wir gewahr, dass das Wellenrauschen am Drehort zu laut und das Drehbuch zu langwierig war.

Das einzig vorzeigbare Video ist das, das Julia spontan von uns gedreht hat, nachdem wir frustriert vor unserem aufgebauten Equipment saßen.   

Reiches Belize?

Obwohl hochgelobt als das reichste Land Mittelamerikas fanden wir bei der Ankunft in Belize City unheimliche Gestalten, verdreckte Straßen und Obdachlose en masse vor. Von den Erwartungen, dass es schön, sicher und teuer ist, hat sich nur letztere bewahrheitet denn Tafel Schokolade und Streichkäse wurden zu Luxusgütern.

Um Geld zu sparen, verzichteten wir auf den Touristenkomfort eines Erste-Klasse-Services und benutzten den oft erwähnten, sogenannten „Chickenbus“. Die alten, bunten, amerikanischen Schulbusse haben nicht nur einen Fahrer, sondern auch einen Kondukteur, der den Überblick über jeden einsteigenden Fahrgast, dessen Reiseroute und Gepäck behält und das trotz dem der Bus aus allen Nähten platzte.

Während Silke sich bereits in ihrem persönlichem Raum eingeschränkt fühlte, als sie sich die Sitzbank mit nur einem Fahrgast teilen musste, quetschte sich neben Tanja auf den Doppelsitz eine Familie mit 2 Kindern, welche ihr blondes Haar und ihre blauen Augen anstarrten.

Obzwar die ersten Eindrücke nicht die besten waren, hat der Strand und die entspannte Atmosphäre von Placencia diese wieder wettgemacht.

Busfahren muss gelernt sein

Nachdem wir Jonny schweren Herzens in Phoenix zurückgelassen haben, ging es für uns mit dem Bus weiter. Bereits an der mexikanischen Grenze verspürte der Busfahrer unseren Drang das Land zu erkunden und schnappte sich deshalb Tanjas Rucksack vom Band der Sicherheitskontrolle, um den Migrationsprozess zu beschleunigen und fetzte im Galopp mit dem Gepäck davon.

Von der Kompetenz der Busfahrer und der luxuriösen Ausstattung der mexikanischen Reisebusse überzeugt, buchten wir unsere längste Fahrt von Ensenada nach Mulegé, welche 16 Stunden dauern sollte. Friedlich in den semi-cama Sitzen schlummernd, wurden wir alle 2 Stunden sogar während unserer wohlverdienten Nachtruhe, von dem topmotivierten Busfahrer aus dem Schlaf gerissen. Dieser wollte nämlich bei jeder Haltestelle erneut wissen, was unsere Enddestination sein soll. Scheinbar drang unser wiederholtes Mulegégemurmel nicht in sein Bewusstsein vor, denn beim Blick auf unser Navigationssystem mussten wir entsetzt feststellen, dass wir das kleine Dorf schon passiert hatten. Die augenscheinliche Kaffeepause eine halbe Stunde zuvor, die wir dankend ausschlugen, um weiterschlafen zu können, entpuppte sich als unser gewünschtes Reiseziel. Panisch über diese Entdeckung rannten wir vor zum Busfahrer, um ihn über diese Misere aufzuklären. Noch im Dunklen wollte er uns einfach am Straßenrand in der Pampa aussetzen, wo weder Taxis noch lokale Busse Richtung Mulegé zu erwarten waren. Rigoros lehnten wir sein Angebot ab und gingen in einen sit-in Protest a la Martin Luther King über, welchen wir erst 2 Stunden später in Loreto beendeten. Nach Mulegé schafften wir es dank Roswitha (siehe Unsere Erfahrungen) aber doch noch.

Da wir von den bisherigen Buserfahrungen nicht mehr 100% überzeugt waren, wollten wir uns einen firstclass Shuttle nach Belize gönnen. Verschlafen um 6.00 Uhr morgens mussten wir einmal mehr erkennen, dass es ohne Komplikationen zu einfach wäre. Unsere angestrebte Mitfahrgelegenheit wurde kurzerhand wegen fehlender Passagiere abgesagt. Immerhin wurden wir mit einer Alternative, welche 3 Stunden später von einem anderen Ort losfuhr, vertröstet.

Jonny kann halt nicht ersetzt werden. 😊

Qué caro?

Silke und Tanja sind hungrig. Silke und Tanja gehen in den Supermarkt. Silke und Tanja sehen Millionen von Produkten, aber finden NICHTS.

Stellt sich also die Frage, wie Millionen von Menschen mit NICHTS überleben können. Die Lösung offenbart sich auf Mexikos Straßen: Märkte und Stände an jeder Straßenecke locken mit frischem Obst und Gemüse, von der Decke hängendem Fleisch und mystischen Tränken für jede noch so schwierige Lebenssituation. Es herrscht ein reges Treiben. Gedränge und Zurufe der Verkäufer hinter ihren Theken führen leicht zur Reizüberflutung und die Kaufmission eines bestimmten Produktes wird zum richtigen Abenteuer.

Eine zusätzliche Herausforderung für Touristen wie uns sind die unterschiedlichen Preise des gleichen Produktes zwischen benachbarten Anbietern. Auch Feilschen muss gelernt sein und so haben wir uns top vorbereitet eine Verhandlungsstrategie überlegt, die aus folgendem Dialog besteht:

Silke fragt: „Cuánto cuesta?“

Verkäufer antwortet Preis x

Tanja ruft erschrocken: „Qué Caro?!“

Silke führt weitere Verhandlung

Ausgang: Besserer Preis (zumindest meist).