Unsere Erfahrungen





Dear Jonny, dies ist kein Liebesbrief, aber….

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Du hast uns erst zu dem gemacht, was wir sind und wofür wir stehen: Glampers (=glamerous Campers). Deine beachtliche Größe von 9,20m (oder 30 feet) bietet Platz für ein luxuriöses Leben mit allem nötigen Comfort oder bis zu 7 Passagieren: Neben einer Küchenzeile, einem Sofa, einer Essecke und sanitären Einrichtungen verwöhnst du uns sogar mit einem separaten Schlafzimmer. Du hältst uns auch dazu an regelmäßig Ordnung zu halten, da wir all unsere Habseligkeiten vor Fahrtantritt verstauen müssen. Allerdings sind wir der Meinung, dass deine Bestrafungen etwas übertrieben sind. So mussten wir bereits wort-wörtlich bluten, wenn eine Müslischüssel am Tisch stehen gelassen wurde. Wenn die Strecke zu holprig war und deshalb das Bier im Kühlschrank explodierte, wurden wir zum frühzeitigen Alkoholkonsum animiert und als die Kühlschranktür nicht richtig geschlossen war, sodass deine Innenausstattung mit einem weißen Joghurtfilm bedeckt wurde, hatten wir alle Hände voll zu tun dich wieder in dein ansehnliches Selbst zu verwandeln.

Versteh uns nicht falsch, für uns bist du noch immer der Schönste und deine Größe ist durchaus ausreichend, aber im Vergleich zu den riesigen, aufgepimpten Wohnwägen mit ihren farbigen „Skirts“ (Wohnwagenunterbau aus Stoff) und den ausfahrbaren Seiten, wirkst du doch etwas mickrig.

Nichtsdestotrotz bietet dein Hintern genügend Platz für unsere Sammelleidenschaft und wir entdecken jeden Tag neue Fundstücke, die wir in einer unserer Akkumulationsphasen eingehamstert haben.

Dein Hinterteil bringt aber auch Nachteile mit sich: Kurven und Kreuzungen werden zum Hindernis. Einerseits schneidet dein Rückreifen gerne die Kurve, andererseits steckst du deine Nase auch in verbotenes Territorium, wie den Gegenverkehr. Über deine hohe Stirn (wir wissen, dass uns diese eigentlich nur zugutekommen sollte, weil du darin ein weiteres Bett versteckt hältst) müssen wir erst gar nicht reden. Bereits des Öftern konnten wir den Eingang von Parkhäusern nicht passieren und mussten in komplexen Manövern den Rückzug antreten. Da brauchst du dich nicht wundern, wenn du den einen oder anderen Kratzer abbekommst.

Zusammengefasst müssen wir zugeben: Wir können nicht ohne dich, und du doch auch nicht ohne uns, oder?

Du kommst zwar bereits 2 Tage ohne Klobesuch aus und hast einen Wasserspeicher wie ein Kamel, aber dann musst selbst du Wasser lassen und trinken. Dabei helfen wir dir gerne, denn wir sind ein unzertrennliches Team.


Wegbeschreibungen

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Keine Panik, auch wenn du mal verloren bist, denn der hilfsbereite Kanadier steht dir stets zur Seite und verkünstelt sich in diffusen Wegbeschreibungen. Aus einem einfachen Weg wird ein Picasso-Gemälde, das zwar schön anzusehen ist, aber sehr viel Interpretationsspielraum lässt und Jonny nicht selten zu extra Kilometern zwingt.


Birkenstock und Socken passen doch

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Zwischen Tanjas stilsicherem Business-Look und der Schlapfen-Socken Kombi lag nur ein Flug – Praktisch und warm ist der neue Camperstyle. Was in Europa als No-Go gilt, wird hier mittlerweile von allen coolen Kids getragen. Damit liegt Tanja wieder voll im Trend oder ist sogar Trendsetter. Sie hat Silke soweit überzeugt, dass sie diesen Look auf die Spitze treibt und zum Nachteil ihrer Socken die Birkenstock durch Flip Flops ersetzt.

Die kesse Stirnlampe, die auf dunklen Campingpätzen für die nötige Weitsicht sorgt und Tanjas neue Modetendenz komplettiert, hat sich in Kanada aber noch nicht durchgesetzt. Wir sind gespannt, wie sich das entwickelt.


China Park ist nicht gleich China Park

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Als professionelle Reiseführer wollten wir Nicki an ihrem Tag ein ganz besonderes Erlebnis in der Vancouver Innenstadt bieten; da durfte Chinatown natürlich nicht fehlen.

Überzeugt davon, dass wir an der richtigen Stelle waren, haben wir eine total heruntergekommene Parkanlage mit verwahrlosten Gestalten als chinesischen Garten der Superlative angepriesen und uns nicht nur selbst, sondern auch Nicki, dafür begeistert. Eine Ecke weiter versammelten sich Touristengruppen und bei näherer Betrachtung erkannten wir, dass sich dort der eigentliche Garten befand. Um keine Ausrede verlegen, erklärten wir Nicki, dass wir den Überraschungseffekt maximieren wollten und ihr dafür erst ein Negativexampel zeigen mussten. Ohne dieses hätte sie den Park wohl niemals als so großartig in Erinnerung behalten.


Smog vs. Smoke

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Blauer Himmel, grüne Wälder, frische Luft – das sind wohl eure Assoziationen, wenn ihr an das endlose Kanada denkt. Doch die Realität sieht anders aus:

Als wir nach Vancouver kamen, hielten wir den trüben Himmel noch für Smog. Je weiter wir uns von der Großstadt entfernten, desto mehr zweifelten wir an dieser Annahme. Wir mussten aber zuerst auf 8 kanadische Geschwister bei ihrer Familienzusammenkunft in Uclulet stoßen, um Gewissheit über die Situation zu bekommen: Der vermeintliche Smog stellte sich als Rauch heraus. Allein in British Columbia wüteten zu dieser Zeit über 600 Waldbrände und der Wind trug den Rauch sogar von den USA bis nach Kanada. Diese schockierenden Neuigkeiten erklärten auch das Lagerfeuerverbot, das in Westkanada verhängt wurde – das hätten wir mal vor dem Kauf der 1000er Packung Marshmallows wissen sollen…


Auf der Suche nach dem Traum-Cowboy

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Voller Vorfreude auf die Cowboys à la Nicholas Sparks haben wir uns mal wieder ordentlich rausgeputzt und uns sogar ein Kleid bzw. einen Rock angezogen, um dann festzustellen, dass der kanadische Cowboy entweder zu alt oder zu jung für uns ist und in seinem Aussehen weit entfernt von Ryan Gosling & Co liegt. Hollywood kann man anscheinend auch nicht mehr trauen – immer dieser Fake!

Und das war noch nicht alles, die groß angepriesene Adult-Show entpuppte sich als traditioneller Paartanzabend. Der geschlechtsneutrale Dresscode bestand aus Jeans und karierten Hemden; nicht zu vergessen die überdimensionalen Gürtelschnallen. Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass wir im Kleidchen und ohne obligatorischen Hut sofort als Touristen identifiziert wurden. Durch die Neugierde getrieben, folgten einige Tanzaufforderungen, die wir nur schwer ausschlagen konnten.


Lesen verboten!

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„Nehme Schilder ernst, auch wenn es die Einheimischen nicht tun“. Diese Erkenntnis mussten wir durch eine schmerzhafte Erfahrung erlangen, als wir uns über ein „Private Property“ Schild hinwegsetzten. Unsere Entdeckungstour auf einem Wohnwagen-Schrottplatz wurde plötzlich von einem aggressiven Hund unterbrochen. In Todesangst ergriff Silke die Flucht, während Tanja zu einer Salzsäule erstarrte. Gott sei Dank war der Hund angeleint und wir kamen mit einem Schrecken davon.

Fazit: Auch wenn wir schon häufig mitangesehen haben, wie Ansässige Beschilderungen ignorieren und beispielsweise von verbotenen Klippen springen oder sich in gesperrte Flussabschnitte stürzen, wir haben unsere Lektion gelernt – was man von euch, da ihr bis hier her gelesen habt, nicht behaupten kann 😉.


Pick me up in a Pick-Up

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Wie wir bereits erwähnt haben, sind die Kanadier ein sympathisches und hilfsbereites Volk und lassen einen auch nicht im Nirgendwo am Straßenrand stehen. Wenn das angestrebte Ziel noch fern scheint, einem der Schweiß von der Stirn tropft und die Motivation zu gehen abhandengekommen ist, naht mit etwas Glück die Rettung in Form eines Pick-Ups. So haben wir uns schon zwischen Wassertanks und kleinen Kindern auf Ladeflächen wiedergefunden und haben für Jonny unüberwindbare Strecken bewältigt.

Das Geheimrezept für eine erfolgreiche Mitnahme besteht aus einem total erschöpften und unschuldigem Aussehen, einer Haltemöglichkeit am Straßenrand und einem wenig touristischen Ort.


Kinderspiel Grenzüberquerung

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Nach einigen Grenzüberquerungen zwischen den USA und Kanada, ob mit Bus oder Camper, sind wir zu wahren Vollprofis geworden und wollen euch daher an unserem Erfahrungsschatz teilhaben lassen: 

Erfinde eine Geschichte und erzähle diese so glaubwürdig, dass nicht nur der Grenzbeamte davon überzeugt ist, sondern auch deine Mitreisenden, welche bei Falschaussagen natürlich keine Miene verziehen dürfen. So wurde das Kennenlernen von Tanja, Silke und Joanna nach Norwegen verlegt. 

Bitte beachte aber, dass man sich bei getrennter Befragung vorab besprechen oder bei der Wahrheit bleiben sollte.

Zur Stimmungsauflockerung, stelle dich beim Anfahren möglichst blöd an, sodass der Grenzbeamte mit wertvollen Tipps auftrumpfen kann.

Wirke bei der Grenzüberquerung verloren und studiere alle Hinweistafeln genauestens, damit der Eindruck entsteht, dass du alle Regeln befolgen möchtest und du nichts Böses im Schilde führst. So kannst du einer Durchsuchung entgehen und problemlos Lebensmittel überführen.


Vom Kuscheltier zum Angstobjekt

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Nichtsahnend und mit der Vorstellung von süßen Teddybären kamen wir in das Land. Doch bereits die erste Nacht auf dem Parkplatz der Pre-Wedding-Location belehrte uns eines Besseren, da sich herausstellte, dass die furchteinflößenden, nächtlichen Geräusche von einem umherstreifenden Schwarzbären stammten. Einen Tag später sichteten wir den Störenfried, welcher von der Ferne eigentlich ganz süß wirkte.

Unzählige Bärenwarnhinweise und die von Bärenglocken verursachten, auffälligen Bimmelgeräusche der anderen Wanderer holten uns aber in die Realität zurück: Ein Bär ist kein Kuscheltier und wir wurden „bear-aware“:

Verstaue dein Essen in den dafür vorgesehenen Essenscontainern, um den hungrigen Bären nicht zu verführen.

Halte zumindest 100 Meter Abstand.

Bewege dich lautstark fort: Durch den Kauf einer überteuerten Bärenglocke fühlten wir uns wieder sicher.

Das Thema „Bärenangst“ beschäftigte uns jedoch trotzdem so stark, dass wir es als Einstieg für jedes Gespräch nutzten. Zum Glück konnten uns die Kanadier bezüglich Bären etwas beruhigen, aber machten uns durch ihre brutalen Schilderungen auf andere Wildtiere aufmerksam.

So kam es zu Silkes weltbewegender Erkenntnis: „The good thing is that I am not afraid of bears anymore, the bad thing is that I am afraid of cougars now!“

To be continued…