Skurriles




Up hill down

Bei Ankunft in den noch traditionellen Dörfern am Atitlánsee spürten wir von der Authentizität erstmal nichts, da wir nur von Touristen und Ausgewanderten umgeben waren. Als wir uns aber weiter in die Ortschaften begaben und die Hügel erklommen, zeichnete sich bald ein ganz anderes Bild ab.

In San Pedro La Laguna trafen wir nämlich auf Frauen in bunten, lokal-typischen Röcken und Blusen, die durch ihre Farbgebung und Symbole aufzeigen aus welcher Region sie stammen und Aufschluss über ihren Familienstatus geben. Ist beispielsweise das Kreuz auf dem Rock verdeckt, zeigt das der Männerwelt, dass die Frau vergeben ist.

Wir waren sehr überrascht, als wir uns bei den Marktgängen auf dem Hügel und an den Straßenständen alleine unter den Einheimischen befanden und erkundigten uns aus diesem Grund über die krasse Trennung von Zugezogenen und Guatemalteken bei unserem Host in Santa Cruz La Laguna. Dieser berichtete uns, dass die Auswanderer alle am See gelegenen Grundstücke aufkauften und Hotels bauten, um den Tourismus anzukurbeln und Profit zu schlagen, während sich die Mayabevölkerung immer weiter auf die Berge zurückzog und dem Wandel ängstlich gegenübersteht. Umso mehr freuten wir uns deshalb unter den Einheimischen in einem AirBnB wohnen zu dürfen und die Initiativen unseres Gastgebers zur Zusammenführung von Expats und Locals zu unterstützen.

Das starke Geschlecht

Auf unserer Wanderung von Santa Cruz nach San Marcos begegneten wir ein paar jungen Damen, welche schwere Säcke voller Steine und Kaffeebohnen auf dem Rücken trugen. Tanja wollte Hilfe leisten und ihnen ein Bündel abnehmen, gab aber, durch das unfassbare Gewicht, welche die zierlichen Mädchen trugen, nach 2 Metern erschöpft wieder auf. Auch das Tragen der Last auf dem Kopf oder mit der Stirn war für Tanja keine Alternative, da es dafür längerer Übung bedarf.

Im Allgemeinen fiel uns auf, dass Kinderarbeit in Guatemala alltäglich scheint und im Gegensatz zur europäischen Norm vor allem Frauen körperlich anstrengende Arbeit verrichten. Zu unserem Entsetzen werden Männern generell viel mehr Rechte und Freiheiten zugesprochen, während Frauen nach einer oft arrangierten Hochzeit zu modernen Sklavinnen der angeheirateten Familie mutieren. Lehnen sie sich gegen die aufgetragenen Aufgaben wie Waschen, Putzen und Kochen auf und wollen stattdessen ihren Träumen folgen, so werden sie aus konservativen Familien verstoßen.  

Für uns unvorstellbar, gibt es aber viele Frauen, die sich mit dieser traditionellen Rollenverteilung identifizieren können und für alle anderen werden mehr und mehr Chancen geschaffen, die eine Selbstverwirklichung ermöglichen. 

So beispielsweise eine Stiftung, die sich um alleinstehende Frauen kümmert und ihnen finanzielle Unabhängigkeit durch Webarbeiten bietet.

Fluch oder Segen?

Nachdem wir uns durch das Marktgetümmel von Santiago La Laguna gedrängt hatten, war es an der Zeit für einen spirituellen und beruhigenden Moment, den wir bei Maxímon fanden.

Maxímon ist eine mayanische Figur, die wie ein Heiliger verehrt wird und der man heilende als auch verfluchende Kräfte zuspricht. Sie wechselt jedes Jahr ihr zuhause und wohnt in einem extra für sie eingerichtetem Zimmer, in dem sie Einheimische, Pilger und Touristen empfängt.

Zur Aktivierung seiner heilenden Kräfte, benötigt Maxímon natürlich Opfergaben seiner Anhänger und präferiert dabei Zigaretten und Alkohol. Da die Holzpuppe diese Gaben nicht selbst genießen kann, muss sich häufig der arme Hausherr zur Verfügung stellen und wird als Kettenraucher und Alkoholiker innerhalb eines Jahres vermutlich zum körperlichen Wrack.

Haltet euch fest, denn unsere Wünsche bzw. Flüche sind noch in Bearbeitung 😉

* di ned au!

Man stelle sich vor, man sitzt in einem Restaurant, ist bereit sein wohlverdientes Essen zu verzehren, nimmt Gabel und Messer in die Hand und zack – das Licht ist aus!

Kein schlechter Start eines Horrorfilms, sondern Alltag in Mittelamerika!

Dies passiert nicht nur punktuell, sondern immer gleich in der ganzen Ortschaft und meist auch in den ungünstigsten Momenten, wie beispielsweise auf der Toilette.

Da soll uns mal einer erklären, wie man ohne Licht die für das Klopapier bereitgestellten Mistkübel treffen soll. Neben willkürlichen Stromausfällen ist für Touristen nämlich auch ungewöhnlich, das Toilettenpapier nicht runterzuspülen, um Rohre und Abwassersystem zu schonen.

Ob mit oder ohne Klopapier, die Spülung zu betätigen stellt an sich schon eine Herausforderung dar, weil Wasser in den gesamten sanitären Einrichtungen Mangelware ist.

Fazit: * dich nicht an!

Gleichmäßige Bräune Adieu,...

…Brazilian Style Ade, T-Shirt Olé!

In Guatemala und El Salvador ist es nämlich Gang und Gebe vollbedeckt samt Hose und Oberteil ins Meer zu gehen, sodass sich Europäerinnen im Bikini am Strand dezent entblößt fühlen.

Laut einheimischen Informanten wird Oben-ohne-Sonnenbaden sogar als Provokation wahrgenommen und in der konservativen Kultur abgelehnt.

Wir würden davon daher strengstens abraten, Bikini beziehungsweise Badehose sind aber bei Touristen durchaus akzeptabel.

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Jesus Christ Superstar

Christbaumloben war gestern (machen Österreicher eh nicht à könnte man aber eigentlich einführen, um leicht an einen Schnaps zu kommen), Baby-Jesus Beschauung ist heute – und zwar in Guatemala.

Schritte um beim traditionellen Weihnachtserlebnis nichts falsch zu machen:

  1. Kaufe dir eine Baby-Jesus-Puppe (daran ist es bei uns schon gescheitert)
  2. Schmücke diese außergewöhnlich schön
  3. Trete mit deiner Figur unter dem Arm auf die Straße
  4. Lasse sie von Freunden und Nachbarn (an diesem Punkt wären wir spätestens sowieso gescheitert) bewundern
  5. Nehme am Wettbewerb um den schönsten Baby-Jesus teil
  6. Freue dich, auch wenn du nicht gewonnen hast – Amen
Treffpunkt Fluss

Zum Glück erreichten wir Guatemala mit einem Rucksack voll frisch gewaschener Wäsche, da dort die Verbreitung der „neuen“ Erfindung Waschmaschine scheinbar noch nicht stattgefunden hatte. Wir staunten nicht schlecht, als wir den zentralen Waschplatz des kleinen Örtchens Livingston erblickten. Plötzlich machte auch der Wortlaut der tratschenden Waschweiber Sinn, denn an der Stelle tummelten sich schnatternde Frauen, die in den nebeneinanderliegenden Waschbecken ihre Wäsche säuberten.

Auch als wir in das Landesinnere fuhren, erspähten wir keine Waschmaschine und waren umso erstaunter, als uns eine deutsche Reisende freudig von dem Laundry-Service in unserer Unterkunft inmitten des Dschungels erzählte. Bei weiterer Nachfrage stellte sich der Service als ein persönliches Treffen mit dem Fluss und einem Waschbrett um 10 Uhr morgens heraus.

Dankend lehnten wir diese Möglichkeit ab und warteten auf die nächste, komfortablere Gelegenheit, die sich bereits in Antigua ergab.

Hinter Gittern!

„Was ist an einer Avocado wohl so wertvoll?“, dachten wir uns bei dem Anblick des vollbewaffneten Polizisten vor dem Gemüsestand. Wer sich nun eine spannende Antwort im „Relic Hunter“-Stil erwartet, liegt leider falsch, denn Avocado bleibt Avocado und ein Schatz liegt nur im Silbersee verborgen 😊.

Tatsache ist aber, dass Polizisten an jeder Straßenecke, vor Supermärkten und Restaurants Wache halten, um den Menschen ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln. Wohnsiedlungen sind abgesperrt und die Schranken sind nur mit Registrierung passierbar.

Da hat es uns nicht gewundert, dass sogar ein Bankomat hinter Gittern verborgen lag und uns den Geldausgabeprozess erschwerte. Wie sich aber herausstellte, sind wir dabei aber einem Irrtum zum Opfer gefallen, denn nur eine Tür weiter befand sich der barrierefreie Geldautomat, der zum Abheben bei Nacht angedacht war.

Fazit: Obwohl diese Sicherheitsvorkehrungen einen grundsätzlich beruhigen sollten, verunsicherten sie uns eher und ließen uns hinterfragen, warum diese nötig sind.